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Rettet den Rettungsplan!

Nach dem vorläufigen Scheitern des Rettungspakets für die amerikanische Finanzbranche im US-Kongress mehren sich weltweit die Rufe nach einer raschen Krisenlösung. Denn die Lage an den Geldmärkten ist mehr als heikel. Experten rechnen damit, dass noch mehr Banken gerettet werden müssen.


FRANKFURT. Die Hoffnungen der internationalen Finanzwelt richten sich auf Donnerstag, wenn die Abgeordneten im US-Repräsentantenhaus wieder zusammenkommen. Präsident George W. Bush rief die Abgeordneten dazu auf, zu handeln und die Volkswirtschaft zu retten: „Ich versichere unseren Bürgern und den Menschen auf der ganzen Welt, dass dies nicht das Ende des Gesetzesprozesses ist.“
Der US-Senat stimmt überraschend bereits am heutigen Mittwoch über das vom Repräsentantenhaus abgelehnte 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket für die Finanzmärkte ab. Das teilten der Mehrheitsführer im Senat, der Demokrat Harry Reid, und der Fraktionschef der Republikaner, Mitch McConnell mit. Sie kündigten einige Änderungen an, etwa die von beiden Präsidentschaftskandidaten vorgeschlagene Erhöhung der staatlichen Privatkontenabsicherung von 100 000 auf 250 000 Dollar. Desweiteren sollen einige Erleichterungen bei Unternehmenssteuern und bei einer Einkommensteuer für die Mittelschicht dem Eindruck entgegentreten, die Belastungen für den Durchschnittsbürger würden erhöht, während der Staat mit Steuergeld die Wall Street rettet. Ein klares Ja im Senat dürfte den Druck auf das Repräsentantenhaus erhöhen, das am Donnerstag wieder zusammentritt.
Auch die Politik in Europa setzt auf einen zweiten Versuch. „Die Bundesregierung erwartet, dass dieses Rettungspaket noch diese Woche verabschiedet wird“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag in Berlin. Dies sei Voraussetzung für Vertrauen an den Märkten. Die Europäische Kommission und Vertreter der Europäische Zentralbank (EZB) mahnten eine schnelle Entscheidung in den USA an. Ähnliche Appelle kamen aus Japan und China.
Am Montag war das 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket für die angeschlagenen Banken überraschend im Kongress gescheitert. Daraufhin war die US-Börse panikartig eingebrochen. Der Leitindex Dow Jones fiel um 777 Punkte – so viel wie noch nie zuvor.
Die asiatischen und später auch europäischen Märkte zeigten sich dagegen überraschend stabil. Neben der Hoffnung auf einen zweiten Versuch kursierten hier Erwartungen, dass die Notenbanken rund um den Globus eingreifen werden. Die Senkung des Leitzinses durch die US-Notenbank Federal Reserve noch in diesem Monat gilt bereits als ausgemachte Sache. Die Analysten der Citigroup rechnen genauso wie die der renommierten US-Consultingfirma Global Insight sogar mit einer abgestimmten Aktion sämtlicher wichtiger Notenbanken. Bisher steht allerdings beim am Donnerstag tagenden EZB-Rat keine Entscheidung an.
Wie heikel die Lage tatsächlich ist, zeigen die täglich von der EZB bekanntgegebenen Zahlen. So parkten die Banken über Nacht bei der EZB 44,4 Mrd. Euro – so viel wie noch niemals zuvor seit der Einführung des Euros vor fast zehn Jahren. Dabei handelte es sich um Geld, das die Banken nicht benötigten, es aber auch nicht einer anderen Bank leihen wollten. In normalen Zeiten belief sich das Volumen hier meist auf einen unteren dreistelligen Millionenbetrag.
Auch die Zinssätze für Übernachtkredite in Dollar sprangen auf Rekordhöhe. Der Zinssatz, den Banken sich untereinander für diese Kredite berechnen (Libor), kletterte in London auf ein Allzeithoch von 6,88 Prozent. Die EZB versuchte gegenzusteuern und schrieb einen Dollar-Tender mit einer Laufzeit von einem Tag über 30 Mrd. Dollar aus. Ergebnis: Er war hoffnungslos überboten und wurde zum Rekord-Zinssatz von elf Prozent zugeteilt. Wegen der extremen Knappheit von Dollar-Liquidität versuchten ausländische Banken, sich Dollar am Devisenmarkt zu besorgen. Der Kurs des Euros sackte deswegen um vier Cent ab.
„Das hat es noch nie gegeben“, sagte Kornelius Purps, Zinsstratege bei Unicredit in München. „Der Geldmarkt sollte die Maschine sein, die das Finanzsystem antreibt – jetzt ist sie zusammengebrochen.“ Jedes Finanzinstitut, das nicht für den Rest des Jahres Vorsorge für seine Liquidität getroffen habe, komme in Schwierigkeiten. „Es werden noch mehr Banken gerettet werden müssen“, befürchtet Purps.
Für die Banken, die am Dienstag den letzten Tag eines voraussichtlich miserablen Quartals in ihrer Bilanz verbuchen mussten, sind das Hiobsbotschaften. Als Erste wird die gebeutelte Schweizer Großbank UBS Farbe bekennen müssen. Sie hält am Donnerstag ihre außerordentliche Generalversammlung ab. Analysten rechnen mit weiteren Abschreibungen. Die Aktie der italienischen Großbank Unicredit wurde zeitweise vom Handel ausgesetzt, weil verunsicherte Investoren das Papier massenweise abstießen. Auch die Aktie der Commerzbank stand erneut massiv unter Druck.

Dieser Beitrag wurde nicht geprüft, www.silbernews.at übernimmt keine Verantwortung für Angemessenheit oder Genauigkeit dieser Mitteilung. Quelle: http://www.handelsblatt.com