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Fallende Kurse, griechische Wochen und dubiose Staatsanleihen

Als am Freitagnachmittag europäischer Zeit die Kurse bzw. Preise der Aktien, Rohstoffe und Edelmetalle heftig nach unten reagierten, erklärten das die meisten Kommentatoren mit der Anklage der US-Börsenaufsicht SEC gegen die Investmentbank Goldman Sachs wegen angeblichen Betrugs. Man könnte auch sagen: Anleger nahmen vor dem Wochenende ihre Gewinne mit nach dem Motto: Wer weiß, was noch kommen wird. Ob der Fall SEC/Goldman Sachs mittelbar – über Derivate – überhaupt etwas mit den Aktienkursen, Rohstoff- und Edelmetallpreisen zu tun hat, wird sich zeigen. Unmittelbar, so viel ist schon jetzt klar, wird er auf den langjährigen Aufwärtstrend der Edelmetallpreise keine Auswirkung haben. Dazu ganz zum Schluss etwas mehr.
Haben Sie die griechischen Wochen satt? Falls ja, sollten Sie die Sättigung verschieben. Denn diese Wochen streben gerade auf das nächste Zwischenhoch zu, und von ihrem Finale kann längst noch nicht die Rede sein. Mitunter hat man den Eindruck, in einer Komödie zu sein. So wie am vergangenen Donnerstag, als Griechenlands Regierung die EU, die EZB und den IWF um ein „Wirtschaftsprogramm“ bat. Wohlgemerkt, nicht um Geld. Und um diesen Unterschied, der in Wahrheit keiner ist, ganz dick zu unterstreichen, betonte der IWF ausdrücklich, Griechenland hätte nicht um Geld gebeten. Also setzt man sich ab Montag in Athen gemeinsam an den Tisch, um das Affentheater weiter zu spielen.
Über den kommenden Gang der Dinge wird kräftig spekuliert, und zwar im doppelten Sinn: zum einen über die Höhe der finanziellen Hilfen für Griechenland in den nächsten drei Jahren (die Spekulationen reichen hier bis nahe 100 Mrd. Euro), zum anderen über die Widerstandskraft des Euro. Was den zweiten Punkt betrifft, ist es nämlich so, wie Holger Stelzner es gerade in der FAZ treffend beschrieben hat: „Die Euro-Gruppe wird von den Spekulanten am Nasenring durch die Kapitalmarktarena geführt.“
Das heißt konkret: Erst sagten die Euro-Länder den Griechen finanzielle Unterstützung zu, ohne sich ein abschließendes Urteil über deren wirkliche finanzielle Lage gebildet zu haben. Daraufhin konnten sie nicht mehr von ihrem Hilfsangebot zurücktreten. Schließlich entdeckten Banken und Hedgefonds diese Schwachstelle, die de facto auf eine Garantie von 15 Euro-Ländern für das 16. hinausläuft, und lancierten täglich aufs Neue Horrornachrichten zu Lasten des Euro. Ganz schön clever von den Banken und Hedgefonds (also den Spekulanten) und ganz unschön dumm von den Euro-Ländern.
Bisher ist diese Spekulation bis auf eine kleine Unterbrechung aufgegangen. Ob sie allerdings auch in den nächsten Wochen aufgehen wird, hängt davon ab, welche finanziellen Löcher der nun mit den griechischen Zahlen befasste IWF wann entdecken wird, welche von seinen Informationen durchsickern werden wann die ganze Sache den Spekulanten zu heiß wird. Denn deren Anti-Euro-Wetten richten sich zum Großteil pro Dollar – und der hat nicht das Zeug, wie Phönix aus der Asche zu steigen, weil die volkswirtschaftlichen Daten der USA im Vergleich zu denen des gesamten Euro-Raums grottenschlecht aussehen.
Dieser Aspekt wird von den Marktteilnehmern zurzeit zwar wenig berücksichtigt, ist aber von großer Bedeutung. Dazu nur die folgenden Überlegungen: Die US-Notenbank Fed wird ihren Leitzins nach heutigen Erkenntnissen wohl erst im Sommer 2011 zu erhöhen wagen. Eine Ursache dafür besteht allgemein im schleppenden Konjunkturverlauf drüben, eine weitere speziell in den Katastrophenmeldungen, die uns schon zurzeit vom dortigen Markt für Gewerbeimmobilien erreichen und in den kommenden Monaten immer schlimmer zu werden drohen. Denn auslaufende Kredite in vielfacher Milliardenhöhe werden von den ohnehin überwiegend angeschlagenen Banken nicht mehr verlängert, und Verbriefungen von Krediten sind in größerem Umfang nicht durchsetzbar. Schlimm daran ist, dass der Zyklus der Gewerbeimmobilien erfahrungsgemäß dem Konjunkturzyklus nachläuft. Das heißt, das Schlimmste in puncto US-Immobilien und deren Finanzierung kommt noch.
Wenn die Leitzinsen – sowohl in den USA wie auch in Europa – noch für längere Zeit unten bleiben, bedeutet das allerdings nicht, dass Unternehmen und Privatleute mal eben günstige Kredite bekommen. Beide Schuldnergruppen werden von den Banken im Großen und Ganzen sogar schlechter behandelt als Griechenland. Nun zu den Folgen. Die hat Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, aus Anlass eines am 15. April in der Börsen-Zeitung erschienenen, schier endlos scheinenden Interviews so brillant beschrieben, dass ich im Folgenden einfach einige Passagen zitiere. Hinzugefügt sei, dass Kater eher zu den stillen Bankvolkswirten gehört, fast schüchtern wirkt, aber im Gegensatz zu manchem lauten Kollegen bessere Argumente hat. Hier sein – zum Teil mit erklärungsbedürftigen Fachbegriffen gespickter - O-Ton:
„Unternehmensanleihen sind zur ernsthaften Konkurrenz für Staatsanleihen geworden. Staatsanleihen sind nicht mehr länger die sichersten Anleihen auf diesem Planeten.......Ich glaube nicht an einen Marktcrash, aber ich denke, dass die Renditen, insbesondere für Staatsanleihen, steigen werden.......Der Euro wird an den aktuellen hellenischen Wirbeln nicht zerbrechen......Bislang war das keynesianisch geprägte Makromanagement von Regierungen und Notenbanken der wesentliche Treiber für die Verringerung der Risikoaversion, die genau genommen lediglich in der Beendigung von Panik bestand. Für die Zukunft ist es entscheidend, den richtigen Absprung von der keynesianischen Welle zu finden, bevor einen die negativen Auswirkungen solcher Politik unter Wasser ziehen. Erst wenn dies in einigen Jahren geschafft ist, werden sich Risikomaße wie der Goldpreis wieder ermäßigen.“
„Keynesianisch“ bedeutet auf Schulden gebaut, und „Verringerung der Risikoaversion“ lässt sich überspitzt als Casinokapitalismus interpretieren, der die Panik abgelöst hat. Den Goldpreis als Risikomaß zu bezeichnen, erscheint in diesem Zusammenhang legitim, auch wenn er mehr als nur das ist. Im Grunde erwartet Kater einen weiter steigenden Goldpreis, der sich erst „in einigen Jahren“ ermäßigen wird.

Manfred Gburek, 16. April 2010

Dieser Bericht wurde nicht geprüft. Für Richtigkeit der Angaben übernimmt Silbernews.at keine Haftung.
Quelle: » gburek.eu