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Rettungspaket: „Der Markt wird die Banken zwingen“

von Sven Afhüppe, Hermann-Josef Knipper und Oliver Stock
Der ehemalige IWF-Direktor und Finanzexperte Gerd Häusler empfiehlt deutschen Geldhäusern, den Rettungsfonds in Anspruch zu nehmen und warnt vor den Nachteilen für die Privatbanken in Deutschland, sollten sie sich weiter zieren. Zugleich fordert er eine Exit-Strategie des Staates.
Handelsblatt: Herr Häusler, bisher haben erst drei Landesbanken und die Hypo Real Estate Interesse am Rettungspaket der Bundesregierung geäußert. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?
Häusler: Es ist wichtig und richtig, dass es dieses Stabilisierungspaket gibt. Banken, die Eigenkapitalhilfen brauchen, können diese nunmehr auch verlässlich bekommen. Für mindestens so wichtig halte ich das Angebot des Staates, Garantien für Bankverbindlichkeiten zu vergeben, damit endlich der Interbankenmarkt wieder in Gang kommt. Dass sich mit den Landesbanken und der Hypo Real Estate zunächst die Kreditinstitute gemeldet haben, die den dringendsten Bedarf haben, erscheint mir nachvollziehbar. Ich erwarte aber, dass bald auch andere Institute nachziehen werden. Der Kapitalmarkt wird sie auf Dauer dazu zwingen.
Finanzminister Steinbrück hat die Banker gewarnt, aus falschem Prestigedenken die Staatshilfen abzulehnen. Wie lange wird es dauern, bis der Bund sie unter den Rettungsschirm zwingt?
Dazu wird es nicht einmal eines staatlichen Zwanges bedürfen. Auf der einen Seite ist es legitim, wenn, Bankvorstände die Interessen ihrer Aktionäre nicht aus dem Auge verlieren und nicht leichtfertig zu einer Kapitalerhöhung greifen, die den Aktienkurs kräftig verwässert. Auf der anderen Seite wird der entscheidende Druck, sich Kapital vom Staat zu holen, von den internationalen Finanzmärkten kommen. Wenn deutsche Banken im internationalen Vergleich nicht ausreichend kapitalisiert sind, weil anderswo die wichtigsten Geldhäuser reihenweise staatliches Kapital angenommen haben, werden sie an Wettbewerbsfähigkeit verlieren und an einer Konsolidierung im Bankensektor nur noch passiv teilnehmen. Daran kann keinem strategisch denkenden Bankvorstand gelegen sein. Und wo soll denn zusätzliches Kapital derzeit herkommen? Nicht jeder hat eine Deutsche Post als Großaktionär.
Welche Kernkapitalquote, Experten sprechen genauer gesagt von Tier-1, sollten Bund und Banken denn anstreben? Reichen zehn Prozent?
Diese Zahl wird immer wieder genannt und im Ausland ansatzweise auch schon faktisch praktiziert. Für den Rest der Welt sehen wir hier bald die normative Kraft des Faktischen.
Nach der Logik müssten alle Bankhäuser nach dem Rettungsfonds greifen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass auch die Privatbanken die Staatshilfen sehr genau prüfen werden, spätestens wenn sie weitere Quartals- bzw. Jahresendbilanzen vorlegen müssen. Während wir vielfach noch in Fragen von Moral und Prestige verharren, machen die USA, Frankreich oder auch Großbritannien Industriepolitik. Hochkapitalisierte Banken besitzen dort nicht nur größere „Stoßdämpfer“ für weitere negative Entwicklungen am Kapitalmarkt, sondern können, wie beispielsweise in Großbritannien, auch die Kreditvergabe an ihre Kundschaft ankurbeln, die andernfalls gedrosselt werden müsste. Letzteres wollen wir in Deutschland aber nicht erleben. Nicht zuletzt können Banken mit reichlich Eigenkapital dieses auch bei Übernahmen einsetzen, wie wir fast täglich in den USA erleben können.
Manche Bankmanager fürchten, dass der Staat, wenn er sich erst einmal an einem Geldhaus beteiligt hat, gar nicht mehr aussteigen will.
Der Bund hat bisher noch nicht dargelegt, wie er wieder aus dem Bankensektor aussteigen will. Da gäbe es innovative Exit-Strategien zu diskutieren, um die Staatskasse zu schonen. Damit hängt auch die Frage zusammen, was mit den Banken geschehen soll, die sich bislang schon am Markt schwergetan haben und nunmehr unter Staatsschutz gestellt werden. Das Rettungspaket des Staates hat nochmals das Thema „Marktaustritt für Kreditinstitute“ dringlich gemacht. Wenn der Staat dieses wichtige Element der Marktwirtschaft suspendiert, muss er in eigener Verantwortung Ersatz dafür schaffen und erfolglose Banken aus dem Markt drängen, natürlich in geregelten und verträglichen Bahnen. Es darf nicht sein, dass ineffiziente Banken mit einem nicht überlebensfähigen Geschäftsmodell dank der Staatshilfen überleben und gleichzeitig mit Krediten zu Dumping-Konditionen den gesunden Konkurrenten das Geschäft kaputtmachen. In den nächsten Wochen und Monaten gibt es die historische Chance, eine Blaupause für eine grundlegende Konsolidierung des Bankensektors in Deutschland zu entwerfen und diese mit Hilfe des benötigten staatlichen Kapitals zu erzwingen.
Welche Banken sollten denn – staatlich gesteuert – vom Markt verschwinden?
Banken, die mit ihrem Geschäftsmodell selbst in „Friedenszeiten“, also in konjunkturellen Schönwetter-Perioden, keine Rendite von etwa zehn Prozent erwirtschaften können, haben keine dauerhafte Chance, auch in schwierigen Zeiten allein auf sich gestellt zu überleben.
Trotz Rettungspaket lassen sich die Börsen kaum beruhigen. Woran liegt das?
Derzeit überwiegt ganz eindeutig die Sorge vor einer weltweiten Rezession. Was wir erleben, ist der Einsturz einer riesigen globalen Kreditpyramide, die insbesondere durch die Geldpolitik von der amerikanischen Notenbank angefacht worden war. Der Einbruch begann zunächst im Immobilienmarkt und griff von dort auf andere Sektoren über. Zumeist stehen der amerikanische Verbraucher und seine Schulden am Anfang der Dominokette, jetzt dürften die Kreditkartenschulden dran sein. Zeitlich etwas verzögert bricht nunmehr das weltwirtschaftliche Wachstum in den westlichen Industriestaaten wie auch in den Schwellenländern nahezu synchron zusammen, sozusagen „the perfect storm“.
Der Vergleich ist reichlich ironisch.
Finanzmarktkrise und Schwäche der Realwirtschaft verschärfen sich wechselseitig, beispielsweise durch die Verknappung und Verteuerung von neuen Krediten. Bildlich gesprochen, hat der schwer kranke Patient Finanzsektor mit dem Konjunktureinbruch auch noch eine Lungenentzündung bekommen. So schnell ist daher nicht mit einer Erholung der Börsen zu rechnen.
Die G20-Regierungschefs planen ein neues Weltfinanzsystem. Brauchen wir eine so grundlegende Reform?
Es muss sich in der Tat einiges ändern. Das ist allerdings nicht mit einigen wenigen Maßnahmen zu erreichen, sondern mit einem ganzen Bündel. Ich halte eine internationale Abstimmung auf der Ebene der wichtigsten Staaten für absolut notwendig, weil bereits schon jetzt viele Länder aus der schieren Not heraus nationale Antworten auf die Finanzmarktkrise geben. Eine ungebremste Renationalisierung und ein Subventionswettlauf wäre ein gefährlicher Rückschritt für die Weltwirtschaft.
An welchen Stellen sollte eine Reform des Finanzsystems denn ansetzen?
Da gibt es viele, lassen Sie mich nur wenige nennen. Grundsätzlich müssen wir dafür sorgen, dass die Risikosteuerungssysteme der Finanzmärkte, die in jüngster Vergangenheit versagt haben, wieder funktionieren. Risikomanager, aber auch Ratingagenturen, Wirtschaftsprüfer und Aufseher haben sich zu sehr auf statistische und damit vergangenheitsorientierte Methoden zur Risikobewertung verlassen. Wer in den Rückspiegel schaut, um zu kontrollieren, ob von vorne ein LKW kommt, wird auf die Dauer kaum einem Unfall ausweichen können. Wir brauchen verstärkt einen holistischen Ansatz, der wiederum zu erheblichen Teilen auf langjähriger Erfahrung und der Fähigkeit zu ganzheitlichen Urteilen beruht.
Bei der Fehleinschätzung von Risiken tragen vor allem die Ratingagenturen eine erhebliche Mitverantwortung.
Das ist richtig. Es spräche deshalb viel dafür, die Bedeutung von Ratingagenturen deutlich zurückzustutzen. Die Ratingagenturen haben sich außerdem in der Finanzkrise so dermaßen uneinsichtig gezeigt, dass ich wenig Grund dafür sehe, warum man sich auf ihre Einschätzung noch verlassen sollte.
Wie steht es mit den Aufsichtsorganen der Kreditinstitute?
In der Vergangenheit war es Usus, dass Vertreter großer Kunden oder sogenannte „Zierleisten“ vollkommen fachfremder Branchen in den Aufsichtsräten auch von Kreditinstituten saßen. Die Zeit für Zierleisten ist definitiv vorbei. Angesichts des Gefahrenpotenzials moderner Finanzmärkte kommt es heute darauf an, dass in den Kontrollgremien der Banken deutlich mehr Finanzprofis sitzen sollten, also Kontrolleure, die den Vorständen auch die nötigen fachlichen Fragen stellen und deren Handeln bewerten können. Dies gilt für alle Arten von Kreditinstituten, vor allem natürlich für die in staatlicher Hand.
Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht vor allem den Internationalen Währungsfonds in einer Schlüsselrolle zur Reform der Finanzmärkte. Wie kann der IWF als Weltfinanzpolizist aufgerüstet werden?
Schon vor Jahren war es das Ziel, den Währungsfonds zu einer präventiven Aufsichtsbehörde umzubauen. Dafür braucht der IWF zum einen die notwendigen Fachleute, denen er in der Vergangenheit aber eher kritisch gegenüberstand. Vor allem aber bedarf er der politischen Legitimation, nationale Bankensysteme zu prüfen, ihnen Auflagen zu machen und diese auch zu veröffentlichen.
Und da machen alle IWF-Länder mit?
In der Vergangenheit haben insbesondere, aber nicht nur die USA es stets abgelehnt, in Sachen Finanzmarktfragen, Ratschläge des IWF auch nur ernsthaft anzuhören. Die Briten wiederum hatten immer eine Präferenz für das Financial Stability Forum und gegen den IWF gezeigt. Es war seinerzeit ihr Wunsch, dieses Forum außerhalb des IWF zu gründen und diesen dadurch zu schwächen.
Darüber hinaus gibt es Überlegungen, eine Art Zulassungsstelle für neue, komplexe Finanzprodukte einzuführen. Was halten Sie davon?
Es ist der Öffentlichkeit kaum zu erklären, warum es für neue Medikamente eine gesonderte Zulassung geben muss, für strukturierte Finanzprodukte komplexester Art dagegen nicht. Der Versuch, hierfür Ratingagenturen dienstbar zu machen, ist kläglich gescheitert.

Der Strippenzieher
Wandler zwischen den Welten
Gerd Häusler zählt zu den international am besten vernetzten deutschen Bankern. Anfang Oktober zog der ehemalige IWF-Direktor in das Führungsgremium des belgischen Finanzinvestors RHJ ein. Die Ripplewood-Tochter war an einem Einstieg bei der Mittelstandsbank IKB interessiert, unterlag aber dem Rivalen Lone Star. Zuvor hat der gelernte Bankkaufmann und Jurist zwei Jahre für die US-Investmentbank Lazard gearbeitet. Dort kümmerte der 57-Jährige sich unter anderem um die Beziehung zu den Regierungen.
Notenbank-Erfahrung unter Pöhl
Seine internationalen Kontakte verdankt Häusler dem IWF. Der ehemalige IWF-Chef und jetzige Bundespräsident Horst Köhler hatte Häusler, der zu der Zeit Investment-Banking-Chef der Dresdner Bank war, als Leiter der neu geschaffenen Kapitalmarktabteilung zum Fonds geholt. Häusler stärkte die Überwachungsfunktion des Fonds für die internationalen Kapitalmärkte. Selbst über Notenbank-Erfahrung verfügt Häusler – zunächst arbeitete er als Büroleiter des damaligen Bundesbank-Präsidenten Karl Otto Pöhl, später stieg er ins Direktorium der Notenbank auf.

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