StartseiteAllgemeinesBeständeAnlageformenAnalysenWissenswertesChartsHandelBlog

Wissenswertes:

Silber (Archiv)

Allgemeines über Edelmetalle

Papiergeldsystem

Erklärungsbegriffe

Krisenvorsorge

Krisenvorsorge:

Beiträge zur Krisenvorsorge

Beiträge zur Krisenlage

Beiträge zur Krisenbegriffe

Beiträge zur Krisengeschichten

Allgemein:

Startseite

News (RSS)

Link´s

Sitemap

Kontakt

Disclaimer

Bald sind Steuerzahler und Sparer dran

Der deutsche Baufinanzierer Hypo Real Estate in der Nacht von Donnertag auf Freitag gerettet, das US-Finanzsystem am Freitag vor dem Zusammenbruch bewahrt, ist das nicht ein Grund zum erleichterten Durchatmen? Nein, überhaupt nicht; denn das wäre so, als hätte ein kurz vor dem Ertrinken an Land gezogener Ironman-Teilnehmer die Rad- und Marathonstrecke nicht vor, sondern schon hinter sich. Hat er aber nicht. Welch surreale Entwicklung die Finanzkrise mittlerweile auch in Deutschland nimmt, ergibt sich allein schon aus der Tatsache, dass Hypo Real Estate-Chef Georg Funke vorläufig im Amt bleiben darf - derselbe Mann, der im Januar 2007 getönt hatte, für seine Bank beginne "eine neue Wachstumsphase", und der im November 2007 die Frechheit besaß, zu behaupten: "Hypo Real Estate geht aus der jüngsten Marktkrise gestärkt hervor." Ich habe ihm, seiner Bank und der bei UniCredit untergeschlüpften Schwester in meinem Sprüche-Buch ein Kapitel mit dem Untertitel gewidmet: "HypoVereinsbank und Hypo Real Estate drehen einen Gruselfilm."
Richtig gruselig wird es, sobald das internationale Rettungskommando an zig Stellen des Finanzsystems seine wirkliche Arbeit aufnehmen muss, denn längst sind noch nicht alle Leichen im Keller gefunden. Das liegt an der Vielfalt der Probleme, mit der allein die ganze Bankenwelt konfrontiert ist; sie erstrecken sich von hohen Abschreibungen bis zu veritablen Pleiten, von notgedrungen zustande gekommenen Fusionen und Übernahmen bis zu staatlichen Eingriffen. Hier alphabetisch eine Auswahl an mal mehr, mal weniger betroffenen Instituten: AIG, Bayern LB, Bear Stearns, Dexia, Dresdner Bank, Fannie Mae, Fortis, Freddie Mac, HBOS, HSH Nordbank, Hypo Real Estate, HypoVereinsbank, IKB, Indymac, KfW, LBBW, Lehman Brothers, Merrill Lynch, RBS, Morgan Stanley, Northern Rock, Sachsen LB, Société Génerale, Wachovia, Washington Mutual, WestLB.
Allein die Bewältigung dieser Problemfälle wird viele Jahre in Anspruch nehmen. Dabei werden Tausende von Angestellten entlassen, sodass die negativen Folgen für die Wirtschaft, ausgehend vom Konsum, weltweit bereits heute abzusehen sind, etwa im Einzelhandel oder in der Autoproduktion, einer Schlüsselindustrie mit gravierenden Auswirkungen auf Zulieferer. Die Steuerzahler werden letzten Endes für die Rettungsmaßnahmen der Staaten aufkommen und mit ihnen die Sparer in Geldwerten, wie Anleihen, Rentenfonds und Lebensversicherungen. Wir Deutschen kennen uns ja in beiderlei Hinsicht aus: Während der 50er Jahre klebten wir neben die übliche Briefmarke eine schmale kleine mit dem Namen Notopfer Berlin, und seit den 90er Jahren gibt es den Soli. Zuletzt wurden Geldwerte in größerem Umfang aus Anlass der deutschen Währungsreform nach dem 2. Weltkrieg vernichtet und dann noch ein Mal während der inflationären 70er Jahre. Nach welchem Modell Steuerzahler und Sparer in den kommenden Jahren für die Geldspiele unverantwortlicher Banker zur Kasse gebeten werden, steht zwar noch nicht fest, wird aber in Berlin, wo man sich an dem US-Rettungsmodell ein Beispiel nehmen dürfte, schon bald heiß diskutiert.
Was wir jetzt an den Märkten erleben, ist ein Vorgeplänkel bis zum nächsten Krisenschub, kein neuer Trend: Der Dollar steigt unter anderem deshalb, weil hohe Beträge repatriiert, also vom Ausland abgezogen werden. Das wird sich wieder legen, sobald feststeht, wie das jetzt verabschiedete US-Rettungspaket im Einzelnen wirkt. Mit dem Dollar steigen die Kurse der US-Anleihen bzw. sinken deren Renditen; das färbt auf die europäischen Anleihenmärkte ab. Der Grund: neben der Flucht in den vermeintlich sicheren Hafen (Staatsanleihen) auch die geringeren Inflationserwartungen (nicht zu verwechseln mit der Inflation als solcher, die weiter hoch bleibt). Diese Erwartungen haben sich denn auch heftig im gefallenen Goldpreis und noch mehr in den zeitweise abstürzenden Edelmetallaktien ausgewirkt. Ich halte sie für eine vorübergehende Erscheinung; denn die sich abzeichnende Geldschwemme, die ein großes Inflationspotenzial bildet, wird in Verbindung mit der exorbitant hohen Verschuldung der USA Anleger schon bald wieder mehr ins Gold (und Silber) als sicheren Hafen locken. Die jüngste Entwicklung rechtfertigt den hier mehrfach gegebenen Rat, den Kauf der Edelmetalle sowie von Gold- und Silberaktien zeitlich zu verteilen. Aus heutiger Sicht rechne ich damit, dass die hektischen Schwankungen der Edelmetallpreise und -aktienkurse noch bis zur Jahreswende anhalten und dann in eine allmähliche, 2009/10 immer stärkere Aufwärtsbewegung münden werden.
Übrigens habe ich in der Online-Ausgabe der Wirtschaftswoche einige grundsätzliche Anmerkungen zum Thema "Wie sichere ich mich gegen die Finanzkrise ab?" veröffentlicht, die ich hier einfach eins zu eins wiedergebe:

Sicher durch die Krise

1. Achtung, Neuland!
Die jetzige internationale Finanzkrise ist ohne Beispiel. Sie entstand durch den Zusammenruch der Spekulation mit Derivaten, in erster Linie Swaps und Optionen. Deren offene Positionen betrugen laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich Ende 2007 netto über 596 Billionen (amerikanisch: Trillions) Dollar, das 851-Fache des ursprünglich 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspakets der US-Regierung. Wer sich vor den Folgen der ungeheuren Bedrohung schützen will, muss die eigene Sicherheitsstrategie auf eine breite Basis stellen: wichtige Informationen sammeln, laufend die Finanzmärkte beobachten, Risiken vermeiden, Geldanlagen - auch international - streuen und immer liquide bleiben.

2. Vergleiche und Prognosen für den Papierkorb. Zurzeit ist es Mode, die aktuelle Krise mit der Depression Anfang der 30er Jahre, mit dem Crash vom Oktober 1987 oder sogar mit dem Platzen der Technologieblase zu Beginn des neuen Jahrtausends zu vergleichen. All diese Vergleiche hinken. Wer wissen will, warum im Finanzsektor auch das scheinbar Unmögliche möglich ist, lese eines der Bücher des erfolgreichen Spekulanten George Soros und dazu am besten gleich "Der schwarze Schwan" von Nassim Nicholas Taleb. Dagegen gehören Prognosen in den Papierkorb und Börsengurus durch Nichtachtung bestraft.

3. Selbst ist der Mann/die Frau. So selbstverständlich es scheint, so wenig praktizieren es die meisten Menschen: das individuelle Planen der Finanzen aus eigenem Antrieb. Dabei ist das die einfachste und gleichzeitig beste Methode, unbeschadet durch die Krise zu kommen. Das heißt: Einnahmen und Ausgaben notieren und für verschiedene Zeiträume planen, finanzielle Ziele festlegen, im Abstand von einigen Monaten Kassensturz machen und nach eigenen Prioritäten Vermögen aufbauen.

4. Übung macht den Geldmeister. Spekulation im Sinn von umherschauen, ausspähen, abwägen muss sein, mal mehr, mal weniger; und je weniger Geld jemand hat, desto mehr gilt es zu spekulieren. Die konkrete Spekulation beginnt mit der Beobachtung, etwa mit dem Verfolgen von Zinsen und Aktienkursen. Danach kommt die Übung mit kleinem Einsatz, zum Beispiel ein Aktienkauf. Aus vielfachen Übungen, mit lukrativen Gewinnen und schmerzlichen Verlusten, entsteht die Erfahrung, die auch höhere Einsätze rechtfertigt. Die Kunst der Geldanlage besteht am Ende darin, aufgrund der Erfahrung mit den wichtigsten Anlageformen, vom Tagesgeld bis zu Aktien, von Immobilien bis zum Gold, die persönliche Finanzplanung zu erstellen.

5. Nur die richtige Zeit ist Geld. Timing, also den richtigen Zeitpunkt für Entscheidungen, speziell in Sachen Geld, zu suchen und zu finden, ist untrennbar mit der Spekulation verbunden. Es hängt von individuellen Faktoren, wie Höhe des Einsatzes oder Verpflichtungen aus Krediten, und von äußeren Einflüssen ab, wie zurzeit von Bankpleiten und restriktiver Kreditvergabe. Faustregel: Individuelle Faktoren sollten die Leitlinie bilden, äußere Einflüsse aber immer als Nebenbedingung in Entscheidungen einfließen.

6. Liquide und trotzdem nicht solide. Liquidität ist ein wunderbarer Begriff, nur wird er leider immer durcheinander geworfen. Deshalb hier zur Klärung der Dreiklang aus privater Sicht: Geldbestand, Zahlungsfähigkeit, Liquidierbarkeit. Wer mit Geld umgeht, muss alle drei Definitionen beachten und dabei auch noch höllisch aufpassen. So kann der Geldbestand auf einem Tagesgeldkonto über Nacht illiquide werden, falls eine Bank pleite geht und der Einlagensicherungsfonds erst nach Monaten einspringt. Dadurch kann der Kontoinhaber vorübergehend zahlungsunfähig werden. Umgekehrt ist es möglich, dass eine Immobilie liquide ist, wenn alle Welt sich um sie reißt. So geschehen mit amerikanischen Wohnhäusern bis 2006; danach brach die Krise aus, heute sind diese Häuser so gut wie gar nicht verkäuflich.

7. Die gefühlte Verführung. Gefühle beherrschen den Umgang mit Geld in fast jeder Lebenssituation: Da wird vor lauter Verliebtheit der Ehevertrag vergessen, die schiere Gier verführt unbedarfte Börsenspieler zu waghalsigen Einsätzen, undurchschaubare Zertifikate versprechen Reichtum in jeder Lebens- und Börsenlage, und Angst geht um, seit es Tausende von Spielern unter den Bankern erwischt hat. Geiz, Neid, Scheuklappen, dabei sein wollen, wenn Steuervorteile oder hohe Renditen am grauen Kapitalmarkt locken - verführerische Gefühle kennen keine Grenzen. Wer sich dabei selbst ertappt oder, noch besser, vom Ehepartner, von Eltern oder Freunden rechtzeitig bremsen lässt, hat schon gewonnen.

8. Wer nichts unternimmt, gewinnt. Was leisten Banken und Sparkassen? Mit einem Satz: Sie verdienen durch die Vergabe von Krediten und das Ausschöpfen von Provisionen. Weil die Höhe der vergebenen Kredite vom Eigenkapital der Institute abhängt und dieses sich nicht beliebig vermehren lässt, bevorzugen sie zunehmend provisionsträchtige Finanzprodukte, etwa Fonds und Zertifikate in allen erdenklichen Varianten. Und weil ihre Kunden deren Funktion nicht mehr verstehen, bitten die Institute sie, sich beraten zu lassen. Zusätzlich betätigt sich der Staat als Verkaufsturbo, indem er den Beratungsbedarf mit komplizierten Vorschriften zur Riester-Rente und zur Abgeltungsteuer noch erhöht. Kunden, die sich dadurch nicht zu spontanen Aktionen verleiten lassen, haben schon gewonnen.
9. Walter fürs Alter? Altersvorsorge schön und gut, aber wie? Siehe Punkt Nummer 3: von der individuellen Situation ausgehen und entsprechend planen. Ideal ist das eigene Haus, im Zweifel die eigene Wohnung, Hauptsache, der Standort stimmt. Faustregel zum Aktienanteil in Prozent: 100 minus Lebensalter. Gold in Form von Anlagemünzen oder Barren ist als Versicherung gegen eine - noch nicht bewältigte und weiterhin durchaus mögliche - ganz große Finanzkrise zu empfehlen. Und wenn Tagesgeld, dann aus bestimmten Gründen (siehe Punkt 6) bei verschiedenen Instituten und ergänzt um die Tagesanleihe des Bundes. Lebensversicherung, Rente von Walter Riester oder Bert Rürup? Siehe Punkt 8: Vorsicht, Provision!

10. Was die Zukunft bringt. Zur Auswahl stehen: Inflation, Stagflation (Stagnation mit Inflation), Rezession, Deflation und Mischformen, Letztere mit der größten Wahrscheinlichkeit. Das gab es schon vor einigen Jahren, als die so genannte Asset Inflation, zum Beispiel in Form von steigenden Aktienkursen oder Immobilienpreisen in den USA und anderswo, sich parallel zu relativ stabilen Verbraucherpreisen entwickelte. Die Wiederholung unter anderen Vorzeichen ist denkbar, etwa dass die gängigen Standardaktien, die Immobilienpreise in England, Spanien und in den USA sowie Industrie- und Agrarrohstoffe in eine Art Deflation übergehen, während die Immobilienpreise in anderen Regionen, die Mietnebenkosten, die Kurse einiger Anleihekategorien und die Edelmetallpreise zu einem neuen Höhenflug ansetzen. Das alles wird nicht über Nacht geschehen. Wer Punkt 1 beachtet, hat insofern schon gewonnen.
Manchmal sind es Kleinigkeiten, die scheinbar am Wegesrand liegen, aber genaugenommen eine enorme Bedeutung haben können. Zum Beispiel war ich am 30. September beim Vortrag des geschätzten ehemaligen Kollegen Christoph Wehnelt aus Anlass seiner gerade erschienenen umfangreichen Chronik "10 Jahre Euro" (Großformat, 264 Seiten, ISBN 978-3-89870-526-4, Kunstverlag Josef Fink, 24,-- Euro). Zum Schluss des Vortrags stellte er in den Raum, dass der Frankfurter EZB-Neubau möglicherweise nie realisiert wird: "Der Ausbau der EZB soll nicht mehr in Frankfurt stattfinden, sondern anderswo. Paris und Amsterdam wollen nun endgültig ein richtiges Stück EZB erhalten." Würde das geschehen, könnte der ganze Euro-Währungsblock ins Wanken geraten. Auf der EZB-Baustelle, wo die Maschinen des Züblin-Konzerns noch vor wenigen Monaten sehr aktiv waren, herrscht jedenfalls seit Wochen gespenstische Ruhe.
Und noch ein Hinweis auf einen weiteren Finanzjournalisten, einen herausragenden, wenn nicht sogar den besten Bankenkenner seiner Zunft: Bernd Wittkowski von der Börsen-Zeitung. Er wird den Retail-Bankentag am 9. und 10. Oktober moderieren, und wie ich ihn einschätze, den Referenten von Bundesbank, Deutscher Bank, Dekabank, Postbank & Co. tüchtig einheizen. Konditionen zum Seminarpreis und zu weiteren Details erfahren Sie am schnellsten über j.zinke@boersen-zeitung.com.

Manfred Gburek, 3. Oktober 2008

Dieser Beitrag wurde nicht geprüft, www.silbernews.at übernimmt keine Verantwortung für Angemessenheit oder Genauigkeit dieser Mitteilung. Quelle: http://www.gburek.eu/