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Verfasst von Bill Bonner am 11.03.2008 um 13:01 Uhr

Armer Ben

Die Banken sehen sich mit "anspruchsvollen Bedingungen" konfrontiert, sagt der Senator der Zentralbank, Donald Kohn. Viele von ihnen müssen beobachten wie ihre Erträge zurückgehen, weil die Schuldner nicht mehr in der Lage sind zu bezahlen, während gleichzeitig der Wert der Sicherheiten fällt.

Konkursanträge nehmen zu, berichtet die LA Times, was man dort für ein „düsteres Vorzeichen“ hält. Auch bei den etwas besseren Krediten steigt mittlerweile die Zahl der Zahlungsunfähigkeiten. Auto- und LKW-Verkäufe sind im vergangenen Monat um 10% gefallen, sowohl Ford als auch General Motors sagen, dass sie bei der Produktion einen Gang zurückschalten.

Befinden sich die USA bereits in einer Rezession? Ja, meint Warren Buffett. Ob es sich im eigentlichen Sinne um eine Rezession handelt oder nicht, das weiß ich nicht zu sagen. Aber darum geht es auch eigentlich nicht. Überall weisen die Indikatoren auf eine einbrechende Wirtschaft hin.

Wir warten nur noch auf ein Detail: Wie sehr wird sie einbrechen? Und für wie lange?

Das Hilfsmittel der Zentralbank besteht darin, den Banken noch mehr Geld zu noch besseren Bedingungen zu verleihen. Das kluge Geld setzt darauf, dass Bernanke die Zinssätze noch einmal senken wird. Nicht nur das, die Trader warten sogar auf eine große Senkung von 75 Basispunkten.

Bernanke beharrt darauf, dass es der Wirtschaft nicht gut geht und dass sie genau die Medizin braucht, die die Zentralbank normalerweise verschreibt. Doch vergessen Sie nicht, die Zentralbank ist nicht wirklich eine amerikanische Regierungsbehörde - als ob das in irgendeiner Form beruhigend wäre.

Es ist ein Kartell der großen Banken, die sich regelmäßig verschwören, um den Preis von Krediten auf einem Niveau festzusetzen, das für alle Mitglieder angenehm ist. Natürlich hat die Zentralbank eine Verpflichtung gegenüber der amerikanischen Regierung... und gegenüber dem amerikanischen Volk auch. Es ist eine Pflicht, die sich im Laufe der Zeit entwickelt hat.

Anfangs hat man angeblich den Wert des amerikanischen Dollar schützen wollen, um so weiterhin die Vollbeschäftigung aufrecht zu halten. Doch die vorherrschende wirtschaftliche Theorie besagt, dass man eine stetige Inflation braucht, damit die Fabriken weiter brummen und die Läden sich weiter füllen, so dass diese beiden Ziele sich nie wirklich vereinen ließen.

Und jetzt, angesichts der wahren und aktuellen Gefahr an beiden Fronten - der steigenden Arbeitslosigkeit auf der einen Seite… und die steigenden Preise auf der anderen - hat Ben Bernanke keine Zweifel darüber offen gelassen, in welche Richtung es weitergehen wird.

Er bekämpft die Abschwächung.

Verdammt seien die Inflationstorpedos. Wenn seine Maßnahmen auch den großen Banken nutzen, indem sie ihre Verluste an die Öffentlichkeit weiterreichen können (in Form erhöhter Verbraucherpreise), nun, dann umso besser.

Vergangene Woche fühlte ich leichtes Mitleid mit Ben Bernanke. Er wird für alles verantwortlich gemacht… obwohl sein Vorgänger, Alan (Spekulationsblasen) Greenspan gewaltige Gebühren dafür nimmt, dass er über die Schultern blickt. Die Berichte der Wall Street aus der letzten Woche sagten, dass es Bernankes Schuld sei, dass die Aktien gefallen sind.

Offensichtlich waren seine jüngsten Bemerkungen nicht positiv genug. Der einstige Wirtschaftprofessor aus Princeton ist in Sachen Verdunkelung nicht so gewandt wie sein Vorgänger, aber er kommt langsam dahinter. Und dann bezeichnete ihn Ambrose Evans-Pritchard, der im Telegraph schreibt, als einen Versager.

Die Rettungsversuche der Zentralbank funktionieren nicht, sagt er. Und dann wurde es noch schlimmer. Nicht nur die Zinssenkungen der Zentralbank funktionieren nicht - sie sind vermutlich sogar eher schädlich als nützlich, heißt es in einem Bericht von MarketWatch. Wenn das auch unzweifelhaft stimmen mag, dann sehe ich doch nicht gerne, wie die Presse den armen Ben umzingelt.

Ich stehe immer auf, um die Armen zu verteidigen... die, auf denen herumgetrampelt wird… die Betrunkenen und Inkompetenten. Sind die Bemühungen der Zentralbank wirklich vergeblich, frage ich? Sind sie schlimmer als gar nichts? Nun, die Antwort hängt doch ganz davon ab, wer Sie sind.

Wenn sie Euro und nicht Dollar besitzen, dann wollen Sie vielleicht ein Dankesschreiben an die Zentralbank schicken. Der Euro ist stetig gestiegen, seit Bernanke angefangen hat, die Rezession mit mehr Geld und mehr Krediten zu bekämpfen. Vergangene Woche brauchte man 1,52 Dollar, um einen Euro kaufen zu können. Vor acht Jahren konnte man noch einen Euro für 88 Cent kaufen.

Auch Goldbesitzer sollten ganz glücklich über das Anti-Rezessionsprogramm der Zentralbank sein. Vergangene Woche brach das Gelbe Metall innerhalb eines Tages um 17 Dollar ein. Aber es hat seit der ersten Senkung der Zinssätze damals im September bereits um ein Drittel an Wert zugelegt.

Und wie sieht es mit all den Weizenbauern aus… und den Reisplantagenbesitzern? Reis hat eben erst den höchsten Wert innerhalb von 20 Jahren verbuchen können. Und die Weizenbauern kaufen sich glänzende neue Traktoren. Sie werden natürlich auch dankbar sein.

Natürlich gibt es auch noch die Ölindustrie. Öl ist nicht von allein auf 100 Dollar pro Barrel geklettert, die Zentralbank stand bei jedem einzelnen Schritt des Weges dahinter.

Und vergessen sie nicht diejenigen, die Platin abbauen. Platin ist seit Anfang des Jahres um 46% gestiegen. Und zu guter Letzt sind da noch die Banker selbst. Zu den Bemühungen der Zentralbank, die Sorgen der Banker zu erleichtern, zählt auch ein neues Kreditprogramm - die Term Auction Facility.

Was für eine praktische Angelegenheit. Es erlaubt den Banken, gegen die gleichen infizierten Sicherheiten Geld zu leihen, die überhaupt erst die Probleme verursacht haben. Private Kreditgeber würden sie nicht anrühren, aber die Zentralbank... als Dummkopf des letzten Auswegs und mit den Kreditkarten der Steuerzahler in den Händen... akzeptiert sie, als handelte es sich um verloren geglaubte Rembrandts und unverbreitete Goldmünzen.

Ich bin nicht erst gestern geboren worden. Ich weiß, dass die Bäcker das Brot nicht backen, weil sie so gerne unsere dicken, rosigen Wangen sehen. Und ich weiß, dass Banker nicht bei der Bank sind, weil sie wollen, dass wir Geld in unseren Taschen haben. Also halte ich es für sicher, dass auch die Banken auf der Suche nach Numero Uno sind, wie alle anderen auch.

Und das ist der Grund, warum ich den jüngsten Initiativen, die Häuser vor den Zwangsvollstreckungen zu retten, so misstrauisch gegenüberstehe. Ben Bernanke selbst hat die Banken dazu gedrängt, "Teile der Hypotheken zu vergessen und vergeben", heißt es in einem Bericht von Bloomberg. Und ein weiteres seltsames Monster ist auf freiem Fuß... ein vom Kongress vorgeschlagenes Gesetz, das verlangt, dass die Regierung einschreitet und die Hypotheken, die in Schwierigkeiten stecken, selbst aufkaufen soll.

Egal wie sehr diese Maßnahmen auch der Menschheit nutzen mögen, so bin ich doch sicher, dass die letzte Fassung so gestaltet sein wird, dass sie den Bankern auch noch ein paar kleine Knochen zuwirft.


© Bill Bonner
Quelle: Auszug aus dem Newsletters "Kapitalschutz Akte"