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07.02.1637: Ende der Tulpenmanie

Heute kann sich jeder die Tulpen aus Holland leisten, sie gehören zum Frühling wie Palmkätzchen und Narzissen. Man kann sich kaum vorstellen, welch irrsinnige Preise die Tulpenzwiebeln vor 370 Jahren erzielten. In der kurzen Spanne zwischen Dezember 1636 und Februar 1637 verfielen tausende Bürger der Republik der Vereinigten Niederlande dem Tulpenrausch und stürzten sich in den Ruin. Bis heute ist das Phänomen ungeklärt, und das Studium der so genannten „Tulpenmanie“ gehört zur Grundausbildung jedes Investmentbankers.
Wie kommt es dazu, dass Anleihen so viel höher eingeschätzt werden als der tatsächliche Wert der Waren, auf die sie sich beziehen? Wie kommt es dazu, dass vernünftige Bürger all ihr Hab und Gut auf Spekulationsgewinne setzen, die zerplatzen wie eine Seifenblase? Die Tulpenmanie gilt als erster Zusammenbruch eines Kapitalmarktes, hervorgerufen durch irrationale Wünsche der Spekulanten.

Die ersten Tulpenzwiebeln gelangten schon 1562 nach Europa. Ein Schiff mit einer Tuchladung aus Istanbul ging in Antwerpen vor Anker, der verdutzte Kaufmann fand zwischen den Stoffballen Zwiebeln. Er hielt sie für türkische Speisezwiebeln und nahm sie mit nach Hause. Einige wurden verzehrt und als wenig schmackhaft empfunden, der Rest wurde im Garten angepflanzt. Es dauerte aber noch weitere dreißig Jahre, bis der Botaniker Carolus Clusius, Professor an der Universität Leiden, die neue Blume in seinem Botanischen Garten zog. Ein Mosaikvirus erzeugte herrlich geflammte Blütenblätter, die Tulpe wurde zum begehrten Statussymbol. In den Gärten galt sie als die Königin der Blumen, und die reichen Kaufmannsgattinnen trugen sie als Schmuck im Haar. Bis heute ist es rational nicht erklärbar, warum der Tulpenmarkt ab 1633 ganz plötzlich verrückt spielte. Es gab inzwischen rund 500 verschiedene Sorten, die Liebhaber verlangten immer neue Sorten, und die Züchter konnten sie bieten.

Wouter Bartelmiesz, ein Witwer mit sieben Kindern, war rechtzeitig in den Handel eingestiegen. Wir wissen von seinem Schicksal deshalb, weil der Verkauf seiner Zwiebeln auf einer Versteigerung im Städtchen Alkmaar den letzten Gipfel der Tulpenmanie darstellte. Wouter selbst war kurz zuvor gestorben, und die Vormunde der sieben Waisen ließen den Nachlass, einige Dutzend Tulpenzwiebeln, versteigern. Die Auktion brachte 90 000 Gulden, das 300fache Jahreseinkommen einer Handwerkerfamilie.

Zwei Tage nach dieser Auktion, am 7. Februar 1637, fand – wie immer am ersten Dienstag des Monats – die Tulpenauktion in Haarlem statt. Der Auktionator schrieb den Aufrufwert einer bestimmten Sorte – 1250 Gulden – auf die Tafel und wartete auf die Angebote. Niemand meldete sich. Er setzte den Wert herab auf 1100 Gulden – keine Hand rührte sich. Beim dritten Versuch blieb er knapp unter 1000, und wieder kam kein Angebot. Eine gespenstische Stille durchzog den Raum, und dann brach die Hölle los: Jeder wollte nur noch verkaufen. Der Markt hatte den Kulminationspunkt überschritten und brach in sich zusammen. Die Tulpe „Semper Augustus“, die Ende Januar noch 10 000 Gulden gekostet hatte, war nun für 10 Gulden zu haben. Plötzlich hieß sie „die Schurkengöttin Flora“ und war doch in beiden Fällen dasselbe – eine unschuldige Blume.