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Das vorläufige Ende der US-Hausbau-Baisse

Sonntag, 30. Oktober 2011, 20:39
Seit dem Platzen der US-Hausbaublase sind sechs Jahre vergangen. Auch wenn die Zeit nicht alle Wunden heilt: Sechs Jahre US-Hausbau auf Niedrigniveau bedeuten einen historisch langen Zeitraum. In den sechs Jahren zwischen 2005 und 2011 ist die Einwohnerzahl der USA um 16 Mio. - von 295 auf 311 Mio. – gestiegen.

Jüngste US-Inflationsdaten lassen einen Anstieg der US-Mieten erkennen. Familien, die in früheren Zeiten ein Haus gekauft hätten, trauen dem Markt noch nicht. Sie mieten sicherheitshalber Appartements. Doch bei weiter steigenden Mieten wird ein Punkt erreicht, an dem eine Familie den Neubau oder den Kauf eines Hauses in Betracht zieht.

Mitte 2005 erreichte die Stimmung in der US-Hausbauindustrie ein letztes Mal einen euphorischen Wert (siehe Pfeil folgender Chart). Seitdem kracht und knarzt es im Gebälk.

Niemals war die Stimmung unter den US-Hausbauunternehmern schlechter als zum Jahreswechsel 2008/09, dem Höhepunkt der jüngsten Rezession. Seither verläuft der Indikator auf niedrigem Niveau seitwärts. Der Index wies im Oktober 2011 einen Sprung nach oben auf.

Im September 2011 ist der mittlere Verkaufspreis neuer Häuser inflationsbereinigt auf den niedrigsten Stand des laufenden Jahrhunderts gefallen (folgender Chart).

Die Rendite für 10jährige US-Anleihen markierte Anfang Oktober mit 1,71 Prozent einen wichtigen Tiefpunkt. Parallel dazu notierte der Zinssatz für 30jährige US-Hypotheken-anleihen zu ersten und bisher einzigen Male unterhalb der 4-Prozent-Marke.

Jetzt gilt es eins und eins zusammenzuzählen: Der US-Hausbau-„Bust“ befindet sich im sechsten Jahr. Die US-Bevölkerung ist in diesem Zeitraum um 16 Millionen gewachsen. Die US-Mieten ziehen an. US-Häuser sind inflationsbereinigt so preiswert wie niemals zuvor im laufenden Jahrhundert. Die US-Darlehenszinsen notieren nahe dem Rekordtief, sind aber im Anstieg begriffen. Wenn nicht jetzt, wann dann, ist der ideale Zeitpunkt, um in den USA ein Haus zu erwerben?

Ein vorläufiges Ende der Hausbau-Baisse hätte positive Auswirkungen auf die regionalen US-Banken. Diese können sich momentan vor Cash kaum retten. Erste Banken sagen ganz offen, dass sie das Geld der Anleger nicht wollen, da sie es nicht verleihen können. Und da die Anlagezinsen kaum noch gesenkt werden können – sie sind ja schon bei null – beginnen einige Banken, an der Gebührenschraube zu drehen, um die Anleger davon abzuhalten, sie mit „Cash zuzumüllen“.

Banken existieren nicht wegen Girokonten. Sie leben von der Kreditvergabe. Geldwechsler und –verleiher sind Großväter des Bankenwesens. Würde die Nachfrage nach Hypothekendarlehen anziehen, würden die noch in den Büchern stehenden „Asset Backed Securities“ (ABS-Papiere), deren Einbruch die Finanzkrise auslöste, zu einem höheren Preis gehandelt werden. Der von der Markit.com geführte ABX.HE Index (AAA) erreichte Mitte Oktober mit einem Wert von 31 ein Verlaufstief. Seither stieg der Index auf 34,5 Punkte an. Jeder Punkt mehr bedeutet weniger Abschreibungen für US-Banken.

Wie reagieren US-Hausbau- und Banken-Aktien? Das US-Hausbauunternehmen Toll Brothers zog seit Anfang Oktober von 13 auf 18 Dollar an, ein Anstieg um knapp 40 Prozent. Die Citigroup notierte am 3. Oktober zeitweise unter 22 US-Dollar, aktuell wird sie mit 34 US-Dollar taxiert. Der Anstieg beträgt 50 Prozent.

Die US-Bankenblase platzte im Februar 2007. Der US-Bankenindex markierte sein noch heute gültiges Tief nach etwas mehr als zwei Jahren (siehe Pfeil folgender Chart).

Ein solches Tief erfährt üblicherweise Ende des vierten oder Anfang des fünften Jahres einen Retest (rote Linie obiger Chart). Wir nehmen an, dass dieser Test derzeit stattfindet. Sollte er positiv verlaufen, so wäre für die kommenden zwei Jahre ein Anstieg des US-Banken-Index zu erwarten.

Auch die Ratio des US-Banken-Index zum S&P 500 verdeutlicht den Retest des März-2009-Tiefs (rote Linie folgender Chart).

Ob dieser Retest tatsächlich gelingen wird, kann nicht sicher vorhergesagt werden. Überhaupt kann nichts sicher vorhergesagt werden. Das einzige, was wir haben, sind Indizien und Erfahrungswerte. Zyklisch orientierte Leser, die annehmen, dass sich Abwärts- und Aufwärtstrends abwechseln, dürften sich eine Erholung des Hausbau- und Bankensektors vorstellen können. Menschen, die aufgrund der Schuldenkrise an bevorstehende Staatsbankrotte glauben, werden die genannten Indizien gering gewichten.

Fazit: Nach sechs harten Jahren für die US-Hausbauer kann das siebente Jahr eine Erholung bringen. 16 Millionen Einwohner mehr als 2005 drücken die Mietpreise nach oben. Die USA befinden sich demographisch in einer besseren Situation als Japan oder Deutschland. Günstiger als aktuell waren die US-Hauspreise in diesem Jahrhundert noch nicht. Gleichzeitig befinden sich die US-Hypothekenzinsen auf dem niedrigsten Niveau seit 30 Jahren.

Ein besseres Umfeld wird es kaum geben, jetzt „müssen die Pferde nur noch saufen“ (sprich: Der Markt muss anspringen). Wenn es normal läuft, werden die „Early Adoptors“ sich bald in den Markt hineinkaufen. Ausländische Käufer warten schon jetzt auf die Verabschiedung eines US-Gesetzes, wonach ein Ausländer, wenn er in den USA ein Haus im Wert von mindestens 500.000 US-Dollar cash bezahlt, er eine dreijährige Aufenthaltserlaubnis erhält. Banken würden vom Anspringen des US-Häusermarktes profitieren.

Sollten die Renditen deutlicher anziehen als sie dies bisher tun, so würde die Gefahr steigen, dass das zarte Pflänzchen des US-Hausbau-Aufschwungs zertreten werden könnte. Wenn es jetzt nicht zu einer größeren Wende kommt, so nehmen wir aber doch an, dass die Erholung für die kommenden sechs bis zwölf Monate gültig sein wird. Das Anfang Oktober erzielte Tief in Hausbau- und Bankenindizes dürfte damit über eine handelbare Relevanz verfügen.

Neulich sagte mir ein Fonds-Manager, er würde Banken nicht einmal mit der Kneifzange anfassen: Die Bank-Bilanzen seien undurchschaubar und damit nicht bewertbar. Er hat recht, aber bei einem Contrarian oder anti-zyklisch denkenden Menschen sollten bei einer solchen Aussage alle Alarmglocken läuten. Verfolgen Sie die Entwicklung der Finanzmärkte in unserer handelstäglichen Frühausgabe.

Robert Rethfeld
Wellenreiter-Invest

Dieser Bericht wurde nicht geprüft. Für Richtigkeit der Angaben übernimmt Silbernews.at keine Haftung.
Quelle: » Wellenreiter-invest.de

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