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Finger weg von Staatsanleihen

Um Konjunkturprogramme zu finanzieren, geben Staaten immer mehr Anleihen aus. Es ist eine Frage der Zeit, wann auch diese Blase platzt.
Von FOCUS-MONEY-Redakteur Helmut Achatz

Der amerikanische Staat bekommt Geld fast zum Nulltarif – und trotzdem rennen ihm Anleger die Tür ein. Uncle Sam gilt entgegen jeder Vernunft immer noch als kreditwürdiger Schuldner. Agenturen wie Standard & Poor’s oder Moodys, die seine Bonität prüfen, geben ihm nach wie vor Bestnoten.

US-Finanzminister Henry Paulson lacht sich ins Fäustchen, kann er doch die Gläubiger mit Micker-Zinsen abspeisen. Für US-Staatsanleihen (Bonds) mit zwei Jahren Laufzeit bekommen die Geldgeber gerade einmal 0,875 Prozent Zinsen. Bei einem Kurs von etwas über 100 Prozent errechnet sich eine Rendite von 0,738 Prozent. Bei Kurzläufern mit drei Monaten Restlaufzeit ließ die Nachfrage die Kurse so stark steigen, dass Anleger zwischenzeitlich sogar draufzahlten. Käufer von zehnjährigen Staatsanleihen müssen sich mit 3,75 Prozent Zins zufrieden geben, erhalten aber wegen der ebenfalls gestiegenen Kurse nur eine Rendite von 2,3 Prozent – das ist so wenig wie während des Zweiten Weltkriegs.

Vermeintliche Sicherheit drückt Renditen

Andere Staaten machen sich diese Entwicklung zunutze und speisen ihre Gläubiger mit ähnlich niedrigen Zinsen ab. Als solide geltende Schuldner zahlen wenig mehr als die Amerikaner. Deutsche Anleihen bringen bezogen auf die Rendite knapp drei Prozent, britische 3,15, französische 3,48 und niederländische 3,58 Prozent. Trotzdem werden die Staaten ihre Anleihen noch problemlos los.

Wackelkandidaten hingegen müssen für Kredite tiefer in die Tasche greifen. So zahlt Ungarn beispielsweise für seine zehnjährige Staatsanleihen 6,75 Prozent Zinsen – bei einem Ausgabekurs von 86 Prozent ergibt das aus Investorensicht eine Rendite von 9,26 Prozent. Polnische Schuldenpapiere bringen 5,3 Prozent Rendite. Die Renditen sind so hoch, weil Investoren das Ausfallrisiko nach den Interventionen des IWF deutlich höher einschätzen als in den großen Industrienationen. Hochrisikoländer wie Argentinien und Venezuela werden schon gar nicht mehr ernst genommen. Die Republik Venezuela unter ihrem rabaukenhaften Präsidenten Hugo Chávez versucht Ausländer deshalb mit 13,625 Prozent Zins für seine zehnjährigen Staatsanleihen zu ködern, was bei einem Ausgabekurs von 71,26 Prozent eine sagenhafte Rendite von mehr 20,6 Prozent verspricht. Wenn, ja, wenn da nicht die Gefahr bestünde, dass fallende Wechselkurse den Ertrag mindern oder die Gläubiger ihr Geld nie mehr wieder sehen. Ganz so, wie es vor sieben Jahren in Argentinien der Fall war. Das südamerikanische Land stellte damals einfach die Rückzahlung von Staatsanleihen im Volumen von 95 Milliarden Dollar ein. Die Kreditmärkte ignorieren das Land seitdem.

Zweifel an der Kreditwürdigkeit wächst

So langsam kommen Anlegern trotz guter Bonitätsnoten auch Zweifel, ob ihr Geld bei Uncle Sam noch gut aufgehoben ist. Das ist ablesbar an den steigenden Kosten für Kreditausfallversicherungen auf US-Staatsanleihen, den sogenannten Credit Default Swaps (CDS). Ende April vergangenen Jahres reichten noch annähernd sechs Dollar, um eine fünfjährige US-Staatsanleihe über 10 000 Dollar ein Jahr lang gegen Zahlungsausfall abzusichern. Mittlerweile zahlen Anleger bereits mehr als 52 Dollar dafür. Die CDS-Absicherung deutscher Staatsanleihen ist günstiger: Die Kreditausfallversicherung ist für 45 Dollar haben. Zum Vergleich: CDS für polnische und griechische Staatsanleihen kosten 229 und 225 Dollar. Noch weniger trauen Anleger dem Staat Island. Die Kreditausfallversicherung für isländische Schuldentitel verschlingt derzeit 937 Dollar für 10 000 Dollar Nennwert – aber wer will Island schon Geld leihen?

Dass selbst aus den USA, einem der besten Schuldner der Welt, langsam ein Risikokandidat wird, liegt an den avisierten milliardenschweren Konjunkturprogrammen des designierten Präsidenten Barack Obama. Wie der alte finanziert sie auch der neue Mann im Weißen Haus ausschließlich auf Pump – obwohl die öffentliche Hand unter Vorgänger George W. Bush bereits mit mehr als zehn Billionen Dollar in die Miesen geriet. Doch Obama hat in der Krise keine andere Geldquelle. Auch er wird neue Staatsanleihen emittieren.

2000 Milliarden Dollar US-Anleihen in diesem Jahr

Allein in diesem Jahr wollen die USA sich annähernd zwei Billionen Dollar leihen. Noch greifen vor allem Länder wie China, Japan und die Saudis zu. Das kann auf Dauer nicht so bleiben: In der Wirtschaftskrise beginnen auch diese Länder zu diversifizieren. Sie schichten ihre Devisen um und setzen ihr Geld im eigenen Land ein – oder ihnen gehen schlichtweg die Mittel aus. China beispielsweise kündigte das größte Investitionsprogramm aller Zeiten an mit einem Volumen von 457 Milliarden Euro. Dieses Geld braucht Peking nun selbst. Obama muss sich in entsprechender Höhe neue Käufer für seine Anleihen suchen.

Tatsächlich kommt China in dem ganzen Spiel eine Schlüsselrolle zu: Bislang kaufte die Regierung in Peking die Dollar-Papiere auf, um so die eigene Währung Yuan zu drücken – und den Export zu fördern. Das ist derzeit nicht mehr im bisherigen Umfang nötig, da die chinesische Währung ohnehin gegenüber dem Greenback an Wert verliert.

Unterdessen lassen die fallenden Ölpreise die Einnahmen der Rohstoffländer der Opec, Russlands oder Angolas schrumpfen. Entsprechend schrumpft ihr Anlagebedarf, die Kapitalflüsse Richtung Amerika trocknen aus. Russland beispielsweise stützt mit Milliardensummen sein eigenes Banksystem – und verlor dadurch seit August mehr als ein Viertel seiner Devisenreserven von damals 600 Milliarden Dollar.

Die Fed druckt eifrig Geld

In der Not entwickelte der Chef der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, einen abenteuerlichen Plan: Wenn die bisherigen Kunden keine US-Staatsanleihen mehr kaufen oder – schlimmer noch – anfangen sollten, sie zu verkaufen, muss eben die US-Notenbank einspringen. Und so dachte der Fed-Chef öffentlich darüber nach, selbst US-Staatsanleihen aufzukaufen, „und die Kurse zu stützen“. Es gilt als sicher, dass Bernanke diesen Plan tatsächlich umsetzt: Er betont immer wieder, dass er eine Politik der „quantitativen Lockerung“ vertritt. Schon seit Monaten übernimmt die Fed hemmungslos Schuldenpapiere von Banken und Unternehmen und weitete so ihre Bilanzsumme von 900 Milliarden auf 2,2 Billionen Dollar aus.

Dafür druckt sie sprichwörtlich Geldscheine. Je schneller die Druckerpressen laufen, desto weniger sind die gedruckten Banknoten wert – und damit auch die auf Dollar ausgestellten Staatsanleihen. Das nennt man Inflation – und die beschleunigt den Rückzug der ausländischen Investoren. Ein Teufelskreis würde in Gang gesetzt. Die Notenbank würde noch mehr Geld drucken, wodurch sich die Inflation zur Hyperinflation auswachsen könnte. Das logische Ende wäre die Einstellung aller Zins- und Tilgungszahlungen. Der Staatsbankrott.

Die Bond-Blase platzt irgendwann

Bernanke kennt die Mechanismen. Es besteht Hoffnung, dass er es nicht so weit kommen lässt. Tatsache aber ist, dass sich die Bond-Blase bereits aufbläht. Auch sie wird irgendwann platzen, es ist nur eine Frage der Zeit. Wie die Erfahrungen aus der Vergangenheit mit der Finanzkrise lehren, würden die Schockwellen erneut die gesamte Finanzwelt erschüttern. Sie träfen Banken und Staatsfonds rund um den Globus, die ihr freies Kapital in Amerika deponierten. Darüber hinaus würde der Vertrauensverlust in staatliche Schuldenpapiere andere Länder mit sich reißen. Sobald sich die Gläubiger des Risikos einer Staatsanleihe bewusst werden, werden sie sich fragen, ob sie ihr Geld jemals wieder sehen – und ihr Kapital allerorten abziehen. Wenn die Herde einmal losrennt, ist sie kaum noch zu halten. Jeder versucht dann, seine Papiere loszuschlagen, egal zu welchem Preis.
Sie finden das übertrieben? El-Erian, Investmentchef der auf Anleihenfonds spezialisierten Allianz-Tochter Pimco, rät Anlegern bereits: „Kehrt Staatsanleihen den Rücken, sie sind (angesichts des Risikos) viel zu teuer!“ Andrew Bary vom US-Anlegermagazin „Barron’s“ formuliert es noch drastischer: „Steigt jetzt aus!“

Dieser Beitrag wurde nicht geprüft, www.silbernews.at übernimmt keine Verantwortung für Angemessenheit oder Genauigkeit dieser Mitteilung. Quelle: http://www.focus.de