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Fannie und Freddie haben keine Rettung verdient

von Hugo Dixon, breakingviews.com
Die Rettung von Fannie Mae und Freddie Mac wird teuer werden für die USA. Etwas Unterstützung war notwendig, um Dominoeffekte zu vermeiden, die einem plötzlichen Kollaps der Hypothekengiganten hätten folgen können. Doch Uncle Sam hat eine Verpflichtung übernommen für die Aktivitäten dieser unverantwortlichen Kreditgeber.

Um es klar zu sagen: Fannie und Freddie haben keine Rettung verdient. Diese so genannten regierungsunterstützten Unternehmen haben sich bis über beide Ohren fremdfinanziert. Als Bear Stearns Hilfe brauchte, war der Wert der Anlagen mit 395 Milliarden US-Dollar 33 Mal höher als das Aktionärskapital. Im März hatte Freddie 1,9 Billionen US-Dollar an Krediten und Garantien gegenüber einem Kapital von zwei Milliarden US-Dollar, das entspricht einem Verhältnis von beinahe 1000 zu eins. Fannies 3,3 Milliarden US-Dollar sind nur wenig besser kapitalisiert.
Die US-Wirtschaft wäre besser dran ohne kläglich unter kapitalisierte Institutionen, die zu viel Geld in Hypotheken pumpen. Doch ein ungeregelter Kollaps hätte alle möglichen Folgeschäden auslösen können: einen schweren Verfall der Hauspreise, weiteren Aufruhr an den globalen Finanzmärkten und sogar einen Welle von Bankzusammenbrüchen. Eine Art von Hilfe musste geleistet werden.
Es gibt allerdings klägliche und schlechte Rettungen. Die vom US-Finanzministerium und der US-Notenbankführung Sonntagnacht beschlossene Variante sieht ziemlich schlecht aus. Eine Rettung hätte begleitet werden sollen von einen Plan, um Fannie und Freddie von Regierungssubventionen zu entwöhnen und sie auf eine Größe zu schrumpfen, bei der sie nicht länger zu groß für einen Zusammenbruch gewesen wären. Doch US-Finanzminister Hank Paulson sagt, er wolle sie in der gegenwärtigen Form weiterarbeiten lassen. Wann werden Lektionen wohl gelernt?
Eine Rettung hätte auch Investoren nicht vor ihrer Torheit schützen sollen. Ihnen hätte man maximale Schmerzen bereiten sollen, ohne sie dabei umzubringen. Diesbezüglich ist noch nicht klar, was passieren wird. Die Aktionäre von Fannie und Freddie werden wohl schwer in die Zange genommen. Das ist gut. Doch die Anleiheinvestoren, die den Löwenanteil des Kapitals einbrachten, könnten ungeschoren davon kommen. Anstatt sie zu retten, hätte man sie in die Pflicht nehmen sollen, indem man sie einiges der Schmerzen teilen lässt. Was für eine vertane Möglichkeit.
So wie es ist, wird Onkel Sam fast die gesamte Last schultern müssen. Im ersten Schritt könnte die US-Notenbank Fannie und Freddie Geld leihen. In einer späteren Phase könnte die Regierung sogar direkt Geld verleihen und dabei helfen, die Institutionen zu rekapitalisieren. Es sieht so aus, als hätte die Bush-Administration, die viele Jahre lang so tat, als würde sie Fannie und Freddie keine Garantie geben, ihnen nun einen Blankoscheck ausgestellt.
Dies betrifft nicht nur den US-Steuerzahler, sondern auch ausländische Investoren, weil Onkel Sam nicht mehr so reich ist. Das Ansehen der US-Regierung könnte unter der Rettung leiden. Als Details der Rettung am Freitag zirkulierten, stiegen die Anleihen von Fannie und Freddie im Wert, doch US-Staatsanleihen fielen, ebenso der US-Dollar. Es war ohnehin schon eine schwache Woche wegen der Ängste, die USA könnten nicht die Kondition haben, um die auf jahrelange Exzesse folgenden Schmerzen auszuhalten. Die Rettung verfestigt diesen Eindruck.

Quelle: http://www.handelsblatt.com