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Kommt ein Crash der Staatsanleihen?
Von Walter K. Eichelburg
Datum: 2008-06-01

Obwohl man uns das lädierte Welt-Finanzsystem in der Zwischenzeit wieder als „normal„ hinzustellen versucht, gibt es in letzter Zeit viele Äusserungen von Zentralbankern in den USA und Europa, die vor der „Inflation„ warnen. Natürlich explodieren gerade die Preise der meisten Güter. Jedoch würde das die Zentralbanker wenig irritieren. Was sich entwickelt, ist ein Crash der Staatsanleihen wegen dieser Preissteigerungen. Die heiligsten aller heiligen Finanzkühe kommen also jetzt auf die Schlachtbank.

Inflations-Warnungen:
Wie bereits in meinem letzten Artikel „Inflations-Springflut„ ausgeführt, explodieren derzeit weltweit die Preise für Energie (primär Erdöl) und Lebensmittel. Allein der Preis für Rohöl hat sich im letzten Jahr verdoppelt und in den letzten 7 Jahren von $25/bbl auf $135 mehr als verfünffacht. Vom letzten Niedrigststand bei ca. $11 in 1998 hat er sich mehr als verzehnfacht.
Hier einige Warnungen aus dem Euro-Raum:
FAZ: „EZB-Ratsmitglied Draghi sieht Teuerung als größte Gefahr„
ManagerMagazin: „Glos warnt vor "Zweitrundeneffekten" bei Inflation„
Focus: „Weltweiter Preisschock„:
Wir erleben seit August 2007 eine sehr wichtige und notwendige Korrektur an den weltweiten Finanzmärkten, die noch anhält„, sagte Jean-Claude Trichet der „Bild„-Zeitung vom Freitag. „Wir sind weiter sehr wachsam und in ständiger Alarmbereitschaft.„ Mit Blick auf die anhaltend hohe Inflation im Euro-Raum sagte Trichet, diese bereite ihm und seinen Kollegen Sorgen. „Ich habe bereits im Namen des EZB-Rats gesagt: Wir müssen aufpassen, dass die aktuellen Preisschocks bei Öl und Lebensmitteln nicht zur Verteuerung anderer Waren und überhöhten Lohnabschlüssen führen und dadurch eine generelle Teuerungs- und Lohnerhöhungswelle in Gang gesetzt wird.„
Wie die Preise für die Masse sind, ist Trichet & co eigentlich herzlich egal. Er ist nicht nur in Sorge, sondern sogar in echter Panik, was die Staatsanleihen und Währungen betrifft. Bei einem Abverkauf müsste er die Zinsen drastisch anheben, was die Banken sofort zim Einsturz bringen würde.
Selbst die Fed-Bosse reden in der Zwischenzeit wieder von Zinsanhebungen, obwohl sie erst vor einigen Wochen ihren Leitzins auf 2% gesenkt haben.

Haben sie Angst, dass ihr Inflationsschwindel auffliegt?
Die Öffentlichkeit und inzwischen auch die Medien glauben die offiziellen Inflationsstatistiken, die bei etwa 3% pro Jahr liegen sollen, immer weniger. Bei Energie und Lebensmitteln liegt der reale Wert inzwischen bei etwa 3% im Monat!

Hier die Financial Times Deutschland mit einem Hohn-Artikel: Als ob man getäuscht werden wollte
Denn in der Tat scheint es seltsam, wenn in den USA eine Inflation von 3,9 Prozent errechnet wird, während der Dollar um neun Prozent zum Vorjahr fällt und die Inflation im Rest der Welt spürbar anzieht (laut Pimco auf sieben Prozent). Im Euro-Raum wurde im April eine Preissteigerung von 3,3 Prozent vermeldet - bei einer Aufwertung des Euro um acht Prozent. Dass die Fed in dem von ihr bevorzugten Inflationsmaß, dem Konsumdeflator ohne Lebensmittel und Energie, auch noch jene Güter herausrechnet, deren Preise zu einer immer größeren Belastung für die Verbraucher werden, ist, gelinde gesagt, haarsträubend.
Andere Autoren sind noch wesentlich schärfer und bringen wie Michael Mross in „Der Euro - Misserfolg von Anfang an„ Beispiele aus der deutschen Praxis:
10 Jahre EZB. Die Hofberichterstatter der Europäischen Zentralbank feiern den Euro in der Presse als Erfolg. Sie preisen ihn als Hort der Stabilität. Doch das Gegenteil ist richtig.
Eine Währung ist nur dann erfolgreich, wenn sie ihre Kaufkraft erhält. Und das kann man vom Euro nun wahrlich nicht behaupten. Im Gegenteil: Die Menschen wurden um Ihr Erspartes betrogen. Ihr Geld hat seine Kaufkraft in den letzten 10 Jahren halbiert. Dank Euro!
Vieles ist allein in den letzten sieben Jahren 50% teurer geworden, manches hat sich Preis verdoppelt, einiges sogar vermehrfacht. Da nutzt es wenig, dass z.B. ein Ikea Regal billiger wurde. Fakt ist, dass die Dinge, welche Menschen am nötigsten brauchen, sich im Laufe der letzten Jahre im Preis verdoppelt haben. Eine Pizza in meinem Stammrestaurant hat früher 8 Mark gekostet - heute 10 Euro. Ein Kaffee für 2 Mark war früher teuer. Heute sind 2,50 Euro normal. Eine Busfahrt früher 80Pfennig. Heute 2,10 Euro in Berlin. Diese Liste kann endlos fortgesetzt werden.
Sogar im Vergleich zu unbedrucktem Papier hat der Euro an Wert verloren. Heute müssen 40% mehr Euro für weißes Papier bezahlt werden als z.B. vor 3 Jahren. Selbst im Vergleich zu Toilettenpapier hat der Euro abgewertet. Kann man da noch von einem Erfolg sprechen?
Man kann ruhig sagen, dass die meisten wichtigen Preise (ausser Elektronik, etc.) seit der Euro-Einführung 2002 um 100% oder mehr gestiegen sind.
Der Wertverlust lag also immer zwischen 7..10% im Jahr.
Der Euro ist ein Täuschungsprojekt und das wird immer klarer.
Noch schlimmer sieht es in der US-Dollar-Zone (alle Länder, die ihre Währungen an den USD gebunden haben) aus. Dort gibt es eine noch viel grössere Springflut an Inflation, derzeitige jährliche Preissteigerungen von etwa 15% pro Jahr.
Hier einige Beispiele aus den USA:
CNN – die Auto-Fahrleistung bricht erstmals seit dem 2. Weltkrieg massiv ein
ABC – die Amerikaner verkaufen alles Verwertbare auf Flohmärkten
Ein Kommentar von James Turk dazu – Vergleich mit der Weimarer Hyperinflation:
As the inflation worsened, people sold whatever they could to survive. Widdig succinctly describes it in the caption to the above photo as follows: „The impoverished middle class has to sell its cherished possessions.“He should have correctly stated though that it was the „newly impoverished middle class“. They only became destitute after the inflation had destroyed their savings and ability to maintain their standard of living.
Sadly, the problems of Weimar Germany are now appearing in the US. To survive the impact of rising prices, Americans today – like Germans did eight decades ago – are selling cherished possessions, as explained in a recent

story by Associated Press entitled „Americans unload prized belongings to make ends meet“.
AP explains how some Americans are trying to cope with the ravages of inflation: „To meet higher gas, food and prescription drug bills, they are selling off grandmother's dishes and their own belongings. Some of the household purging has been extremely painful - families forced to part with heirlooms.“ It is indeed no doubt painful, just as it was for the Germans in the photograph above, who surely must have been putting on a brave face for the photographer.
In den USA ist der Prozess am weitesten fortgeschritten, aber auch bei uns boomen etwa Ankaufsstellen für Gold und Silber. Meist alte Leute verkaufen dort ihre Wertsachen, da ihre Renten nicht mehr ausreichen. Daher sieht man in Wien jetzt öfters Pensionisten, die Taxi fahren, um ihre real schrumpende Pension aufzufetten.
Generell kann gesagt, werden, dass der Schwindel mit den „niedrigen„ Inflationsraten jetzt auffliegt. Sogar schon bei den Government-Bond-Märkten.

Der Abverkauf der Staatsanleihen:
Wenn das passiert, dann tritt jede Finanzkrise in ihr bösestes Stadium ein, denn dann sinkt das Vertrauen in die Rückzahlungsfähigkeit und –Willigkeit der Staaten für ihre Anleihen. Das kann entweder durch Bankrottgefahr oder durch Gefahr der „Weginflationierung„ (Hyperinflation) ausgelöst werden. Mit den Staatsanleihen wird immer auch die betroffene Währung mit abverkauft – Totalflucht.
Konkret hängt das Weltfinanzsystem an nur 2 Staatsanleihen: an den US-Treasuries und den deutschen „Bunds„. Denn die stehen für die beiden Welt-Reservewährungen Dollar und Euro.
Genausowenig, wie die Banker und Finanzleute die realen Preissteigerungen erkennen wollen, genauso wenig wollen sie derzeit erkennen, dass der Euro mehr beinhaltet als nur Deutschland. Da kann Ambrose Evans-Pritchard im britischen Telegraph noch so oft über die „ferkeligen„, lateinischen Südstaaten im Euro schreiben (Spanien & co.).
Aber real ist es derzeit so, dass wir uns nur diese beiden Staatsanleihen ansehen müssen. Hier der 10-jährige US-Treasury (Preis) aus dem Artikel „Treasuries Cracking! Rates Rising!„ von Mike Larson:

In der Tat ist der Preiseinbruch signifikant und er kommt schnell. Bei allen anderen Staatsanleihen, auch den „Bunds“ passiert das Selbe. Ein Zeichen dafür, dass die Investment-Herde wegen der Inflation aufwacht.
Und hier liegt der wahre Grund, warum die Zenralbanker jetzt so ängstlich wegen der Inflation sind. Im Endeffekt passiert das selbe, wie in den 1970er Jahren, wo dann 1979 die Zinsen um 2% pro

Monat steigen mussten, getrieben vom hochfahrenden Goldpreis. Nur diesesmal bringt jede signifikante Zinsabhebung das Welt-Finanzsystem zum Einsturz, da es seit Beginn der Krise im Sommer 2007 enorm fragil ist. Im Moment können sie den Goldpreis – das wichtigste Inflationsbarometer - noch unter $1000/oz drücken, aber für wie lange?
Es gibt auch mehrere Anzeichen, dass sich die Finanzkrise jetzt wieder massiv verschärft, besonders weil in den USA gerade die Realwirtschaft zusammenbricht.
Die Zentralbanken sind jetzt ein einer ausweglosen Situation, sie können: Die Banken weiter mit enormen Mengen an frischem Geld retten. Das treibt die Rohstoffpreise noch viel höher und führt irgendwann zur Flucht aus ihren Währungen Die Währungen retten, indem sie über hohe Zinsen die Rohstoffpreise dämpfen. Das führt aber zum sofortigen Bankenkollaps und der Realwirtschaft
Was sie wirklich machen, ist über Markt- und Medienmanipulation das Ende ihres Systems noch etwas hinauszögern. Aber das wird irgendwann in 2008 (vermutlich im Sommer) zu Ende sein.
Das Spiel ist jetzt im Wesentlichen vorbei. Die niedrigen „offiziellen„ Inflationraten werden immer weniger geglaubt. Man sieht es auch, wie das Smart Money und die Spekulanten die Rohstoffpreise hochtreiben. Man flüchtet einfach aus dem Geld der Zentralbanken in „reale Werte„.
Jim Willie meint in seinem letzten Artikel, dass das Kapital in Zukunft nicht mehr primär in Öl und Getreide gehen wird, sondern in Gold. Und zwar genau dann, wenn die Bankenkrise wieder richtig ernst wird. Dann „gute Nacht„ Zentralbanker.
Dann werden auch die Staatsanleihen und alle anderen Wertpapiere mit ähnlicher „Sicherheit„ wie die MBS von Fannie Mae auf den Markt fliegen. Man hat es mit den Preissteigerungen zu weit getrieben.

Game over! In die Rettungsboote!
Disclaimer:
Ich möchte feststellen, dass ich kein Finanzberater bin. Dieser Artikel ist daher als völlig unverbindliche Information anzusehen und keinerlei Anlage- oder sonstige Finanzierungsempfehlung – ähnlich wie ein Zeitungsartikel. Ich verkaufe auch keine Finanzanlagen oder Kredite. Jegliche Haftung irgendwelcher Art für den Inhalt oder daraus abgeleiteter Aktionen der Leser wird ausdrücklich und vollständig ausgeschlossen. Das gilt auch für alle Links in diesem Artikel, für deren Inhalt ebenfalls jegliche Haftung ausgeschlossen wird. Bitte wenden Sie sich für rechtlich verbindliche Empfehlungen an einen lizensierten Finanzberater oder eine Bank.

© 2008 by Walter K. Eichelburg, Reproduktion/Publikation nur mit Zustimmung des Autors.
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Zum Autor: Dipl. Ing. Walter K. Eichelburg ist unabhängiger Consultant und Investor in Wien. Er beschäftigt sich seit mehreren Jahren intensiv auch mit Investment- und Geldfragen. Er ist Autor zahlreicher Artikel auf dem Finanz- und IT-Sektor. Er kann unter walter@eichelburg.com erreicht werden.
Seine Finanz-Website ist: www.hartgeld.com