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Die Regierung als Zerstörer

Der Ansatz der Österreichischen Schule, der bei den Mitgliedern anderer Richtungen 150 Jahre lang Anstoß erregt hat, ist der Folgende: Die Lehrsätze der Wirtschaft sind universell. Die Prinzipien gelten zu allen Zeiten und an allen Orten, weil sie sich aus der Struktur der Wirklichkeit und aus den menschlichen Verhaltensweisen ableiten.

Was im China des Jahres 300 vor Christus zu Wirtschaftswachstum, Inflation oder Geschäftszyklen geführt hat, ist genau das, was heute, im Jahr des Herren 2008 dieselben Phänomene in den USA bewirkt. Die Umstände der Zeiten und der Orte verändern sich, aber die grundlegende wirtschaftliche Realität ist die gleiche.

Die Behauptung hat andere Wirtschaftswissenschaftler - von Soziologen, Historikern und Politikern ganz zu schweigen – wie Tauben auseinandersprengen lassen. Die historische Schule hat diese Vorstellung mit Spott und Hohn überhäuft; aber Carl Manger, der Gründer der Österreichischen Schule hat sich mit Klauen und Zähnen verteidigt. Die Chicago-School der Positivisten fand diese Behauptung lächerlich - doch Mises und Hayek und Rothbard fochten dagegen an.

Die Keynesianer waren lange außer sich, doch die Österreichische Nachkriegsgeneration bestätigte die Wahrheit. Die Sozialisten, die postulierten, dass eine Umverteilung des Grundbesitzes die gesamte Realität verändern würde, sagten, die Behauptung sei absurder, kapitalistischer Unsinn. Aber hier stehen wir nun. Ganz egal wo oder wann, die grundlegende Erfordernis für wirtschaftliches Wachstum ist die Kapitalanhäufung in einem freiheitlichen Rahmen mit solidem Geld.

Die Folgen von Preiskontrollen sind Knappheit und Überschuss. Die Auswirkungen der Geldexpansion sind Inflation und Geschäftszyklen. Die Auswirkung einer jeden Intervention ist, dass die Gesellschaft weniger wohlhabend wird, als sie andernfalls sein würde. Die Liste der Universalia ist endlos, und deswegen braucht jedes Zeitalter gute Ökonomen, die die Wahrheit erklären und aussprechen.

Ich würde an dieser Stelle gerne noch hinzufügen, dass es außerdem auch universelle Fehlschlüsse gibt. Frédéric Bastiat hat auf einen hingewiesen: Der Glaube, dass die Zerstörung von Wohlstand die Erzeugung von Wohlstand befördert. Er erklärt dies mittels einer Allegorie, die als Geschichte vom zerbrochenen Fenster bekannt wurde. Sie wird als Einleitung in einem Buch von Henry Hazlitts nacherzählt, welches vermutlich das bestverkaufte Wirtschaftsbuch aller Zeiten ist.

Ein Kind wirft einen Stein durch ein Fenster und zerbricht es und alle die dabeistehen bedauern das Unglück. Aber dann kommt ein Mann des Weges, von dem es heißt, er sei klug und allwissend. Er weist darauf hin, dass es eigentlich keine so schlechte Sache ist. Derjenige, der das Fenster repariert, wird Geld dafür bekommen.

Dieses Geld wird er dann für einen neuen Anzug ausgeben, so dass auch der Schneider Geld bekommt. Der Schneider gibt sein Geld für etwas anderes aus und der Kreislauf des wachsenden Wohlstands wird sich ohne Ende ausdehnen.

Was stimmt bei diesem Szenarium nicht? Bastiat drückt es wie folgt aus: "Es wird nicht erkannt, dass der Ladenbesitzer sechs Francs ausgeben muss, die er nicht für etwas anderes ausgeben kann. Es wird nicht erkannt, dass er, wenn er das Fenster nicht ersetzen müsste, vielleicht seine alten Schuhe ersetzt hätte, oder ein weiteres Buch für seine Bibliothek gekauft hätte. Um es kurz zu machen, hätte er diese sechs Franc anders verwendet, was dieser Unfall vereitelt hat."

Sie können erkennen, wie absurd die Position dieses weisen Kommentators ist, wenn Sie die Sache bis zum Äußersten übertreiben. Wenn ein zerbrochenes Fenster wirklich Wohlstand erzeugt, warum zerbricht man dann nicht alle Fenster in der gesamten Stadt? Warum nicht auch die Türen und die Wände? Warum reißt man nicht gleich alle Häuser ein, damit man sie wieder aufbauen kann? Warum zerbombt man nicht ganze Städte, damit die Bauunternehmen sie wieder aufbauen können?

Es ist keine gute Sache, Wohlstand zu zerstören. Bastiat drückt es so aus: "Die Gesellschaft verliert den Wert von Dingen, die unsinnig zerstört werden." Das klingt wie eine Behauptung ohne Ausnahme. Aber hierin ruht das Kernargument gegen alles, was die Regierung tut. Vielleicht können wir jetzt erkennen, warum diese Allegorie nicht besser bekannt ist. Wenn wir sie ernster nehmen würden, dann könnten wir den gesamten Apparat der amerikanischen wirtschaftlichen Intervention demontieren.

Wenn Sie mir bei dieser Sache zustimmen, dann fällt es Ihnen vermutlich schwer zu glauben, dass es überhaupt jemanden gibt, der wirklich glaubt, dass die Zerstörung von Wohlstand eine so gute Sache ist. Ich will versuchen zu zeigen, dass dieser Fehlschluss auch heute noch so verbreitet ist wie in der Vergangenheit. Nach jeder Naturkatastrophe, fangen wir beim Mises Institute an, nach den von uns so genannten "zerbrochenen Fenstern" Ausschau zu halten. Nach dem Orkan Katrina sagte der Arbeitsminister: "Es wird dazu führen - und das habe ich bei vorangegangenen Katastrophen und Orkanen erlebt - dass es auch hier ein Licht am Ende des Tunnels gibt, wenn neue Arbeitsplätze geschaffen werden."

Und der Economist schrieb: "Während große Orkane wie Katrina zwar Wohlstand zerstören, haben sie alles in allem oft eine positive Auswirkung auf das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts. Der vorübergehende Abwärtstrend unmittelbar nach dem Sturm wird durch den Ausbruch wirtschaftlicher Aktivität mit Beginn des Wiederaufbaus mehr als ausgeglichen."

Und die New York Times sagte: “Wirtschaftler weisen darauf hin, dass auch wenn Katrina eine Menge Besitz zerstört hat, der Orkan letzten Endes auf die Wachstumszahlen der nächsten Monate einen positiven Effekt haben wird, wenn die Ressourcen in den Wiederaufbau fließen.“ Nach den Bränden in Kalifornien im vergangenen Jahre war Folgendes zu hören: „Für die seltsame Natur der wirtschaftlichen Buchhaltung wird das vermutlich einen Stimulus darstellen", sagte Alan Gin, ein Wirtschaftler von der Universität in San Diego.

"Es wird in den nächsten Jahren viel Aktivität im Bereich des Wiederaufbaus geben, finanziert mit den Zahlungen der Versicherungen." Und CBS MarketWatch sagte: "Wirtschaftlern ist die perverse Realität aufgefallen, dass im Windschatten einer Katastrophe die Ausgaben für den Wiederaufbau oft der Wirtschaft nutzen, selbst wenn die Leute immer noch damit ringen, sich von den privaten Verlusten zu erholen.“

Beachten Sie, dass die persönlichen Verluste hier für irrelevant gehalten werden, verglichen mit dem Nutzen für die makroökonomischen Ergebnisse. Hier haben wir ein Thema, dass wir oft in der Wirtschaft finden: Den Versuch, einen Keil zwischen das zu treiben, was für den Einzelnen Sinn ergibt und das, was gut für die Gesellschaft ist. Wir erleben das gleiche in diesem rezessionären Umfeld, in dem den Leuten gesagt wird, sie sollten ausgeben, ausgeben, ausgeben, auch wenn die meisten Leute sehr wohl begriffen haben, dass Rezessionen Zeiten sind, in denen man sparen sollte.

Wenn man weiter sucht, dann stellt man fest, dass der Fehlschluss der zerbrochenen Fenster sogar nach dem 11. September auftauchte. Timothy Noah von Slate schrieb: "Wir leben in einem sehr wohlhabenden Staat, der auf schreckliche Katastrophen reagiert, indem er große Geldsummen bezahlt... das bringt dann einen beachtlichen Stimulus im Sinne Keynes für die Wirtschaft eines Landes, die, wir wollen der Sache ins Auge blicken, vor dem 11. September am Rande einer Rezession stand. Die Rezession mag immer noch kommen, aber kontrazyklische Ausgaben können dazu beitragen, sie zu verkürzen."

Ein weiterer Ökonom gab bekannt: "Anfangs sollte das einen deutlichen Auftrieb für eine Wirtschaft bringen, die gerade abflaute. Die Bauindustrie könnte vom Prozess des Wiederaufbaus profitieren. Es mag auch ein Segen für die einbrechenden Technologieverkäufe sein, wenn die verloren gegangenen Gerätschaften ersetzt werden müssen."

Und so können wir die fortdauernde Relevanz nicht nur in Bastiats Allegorie erkennen, sondern auch in der Art dieser Geschichte. Der posierende Schlaumeier, der sagt, das Zerbrechen eines Fensters sei gut für die Wirtschaft, taucht immer wieder auf. Seine Fehleinschätzung ist so sehr etabliert, dass wir sie als eine offizielle wirtschaftliche Doktrin für ein ganzes Land bezeichnen können.

Ich habe Sie gebeten, die absurde Diskussion eines Stimuluspakets, das dazu bestimmt ist, die Wirtschaft vor einer Rezession zu retten, noch einmal zu überdenken. Die Idee ist, dass die Regierung Finanzmittel in die Privaten Märkte pumpt, um sie bis zu dem Punkt zu stimulieren, an dem sie von selber laufen. Nicht einmal in dieser Debatte habe ich jemanden die Kernfrage stellen hören: "Wo kommt dieses Geld her?"

Es scheint so, als wolle Washington uns glauben machen, dass man dort eine Zaubermaschine besitzt, die 150 Milliarden Dollar in neuen Vermögenswerten zum Vorschein kommen lassen kann, ohne dass irgendwer etwas dazu tun müsste. Man fragt sich dann, warum wir erst auf eine Rezession warten mussten, ehe wir die Wirtschaft so stimuliert haben. Warum erzeugt man nicht wie durch Zauberhand täglich hunderte von Milliarden mehr, nicht nur für dieses Land, sondern für die gesamte Welt? Warum hält man sich zurück?

Nun, die Vorstellung eines Stimuluspakets ist nicht zu 100% schrecklich. Einige Leute sprechen von Steuersenkungen, die eine gute Sache sind, aber ziemlich sinnlos, ohne Einschränkungen der Ausgaben. Ich bin ganz besonders fasziniert von der zugrunde liegenden Annahme, dass Steuern für eine Wirtschaft ein Klotz am Bein sind, während Steuersenkungen eine Expansion antreiben. Wenn das der Fall ist - und das ist es, wenn auch aus anderen Gründen, als denen, die von Washington genannt werden - dann frage ich mich, warum man auf eine Rezession warten muss, ehe die Steuern gesenkt werden?

Wenn es gut für die Wirtschaft ist, uns weniger wegzunehmen, dann sollten wir das als eine allgemeingültige Politik einführen. Eine wichtige Lektion der politischen Wirtschaft - immer wieder über Jahrhunderte betont - besagt, dass die Regierung selbst keinen Wohlstand hervorbringt. Alles, was die Regierung hat, hat sie von Ihnen und von mir, auf die eine oder andere Art. Sie kann besteuern, sie kann sich Geld leihen und zuletzt kann sie mittels Manipulation des Kreditmarktes inflationieren.

Diese dritte Option ist die am besten verschleierte. Wenn die Leute das Wort "Geldpolitik" hören, dann gehen sie immer davon aus, dass es sich um etwas handelt, was man am besten den Experten überlässt. Und die Zentralbanker haben ein ganz erstaunliches Talent, alles in einem Maße zu verschleiern, dass niemand mehr genau weiß, was sie überhaupt tun.

Diese gesamte Schau ist so aufgebaut, dass sie uns in den Schlaf wiegt und nicht darüber nachdenken lässt, was wirklich vor sich geht. Die unverhüllte Wahrheit ist, dass wenn die Zentralbank die Zinsen künstlich senkt, sie damit neues Geld schafft, das den Wert der bestehenden Geldbestände verwässert und dem Dollar eine geringere Kaufkraft einbringt. Und das ist nur eine andere Art auszudrücken, dass es zur Inflation führt - vielleicht nicht unmittelbar und vielleicht auch nicht in allen Wirtschaftssektoren, aber irgendwann mit Sicherheit.

Das, meine Freunde, ist auch eine Art, ein Fenster zu zerbrechen. Es ist die Zerstörung von Wohlstand. Es geht nicht darum, dass es mehr Dollar geben wird, die man ausgeben kann, denn die Preise werden steigen und der Wohlstand wird aus dem privaten Bereich abgezogen und dann innerhalb desselben neu verteilt. Es ist Bastiats Fehlschluss, der in neuer Form neu erfunden wurde.


© Lew Rockwell

Quelle: Auszug aus dem Newsletters "Trader´s Daily"